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Leserbrief von Walter Haefeker an den Spiegel

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Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn sich die Deutsche Presse mit dem Völkermord an den Armeniern beschäftigt, dann sollten die Recherchen auch die Rolle von Deutschen Militärberatern und Eisenbahnexperten bei der Durchführung dieses Verbrechens durch das Osmanische Reich einbeziehen. Der hochangesehene Reporter der Britischen Tageszeitung "The Independent", Robert Fisk, berichtet darüber in seinem Buch "The Great War for Civilisation" in dem Kapitel "The first Holocaust". Demnach fungierte Hitler's späterer Vizekanzler, Franz von Papen, während des Krieges 1914-1918 als Stabschef der vierten Arme des Osmanischen Reiches und war später der Botschafter des Deutschen Reiches in der Türkei. Ein weiterer Deutscher, der mit dem Völkermord an den Armeniern vertraut war, war Generalleutnant Hans von Seeckt, der 1917 die Stelle des Generalstabschefs der Osmanischen Armee übernahm. Besonders interessant ist die Rolle von Rudolf Höß, der sich mit 15 Jahren freiwillig zur Armee meldete und in der Türkei eingesetzte wurde. Später machte er Karriere in der Totenkopf-SS, wo er eine verschiedene leitende Positionen in den Konzentrationslagern, Dachau, Sachsenhausen, Auschwitz und Birkenau bekleidete und zu einer der Schlüsselfiguren der Vernichtung der Juden wurde.  Max Erwin von Scheubner-Richter war zur Zeit des Völkermordes an den Armeniern Vizekonsul im türkischen Erzerum und verfasste insgesamt 15 Berichte an Berlin über die Deportationen und Massaker. Die Armenier bezeichnete er in diesem Zusammenhang als "die Juden des Orients". Später wurde Scheubner-Richter einer der wichtigsten Berater Hitlers und veröffentlichte Leitartikel im Völkischen Beobachter in denen er dazu aufforderte Deutschland von den Juden zu reinigen. Welche Informationen über die Details des Genozids an den Armeniern Hitler durch seinen Berater erhalten hatte, ist nicht bekannt. Jedoch ist belegt, dass Hitler sich mehrfach auf die "erfolgreiche" Ausrottung der Armenier bezogen hat, um sein Vorgehen gegen Polen und die Ungarischen Juden zu rechtfertigen. Robert Fisk beschäftigt sich auch mit den Versuchen der Türkei, den Genozid zu leugnen und weist darauf hin, dass das die Türkische Regierung dabei die Unterstützung von Israel bekam, weil man dort um die geschichtliche Einzigartigkeit des Holocausts fürchtete. In Robert Fisk's Buch finden sich zahlreiche Details der logistischen Durchführung des Genozids mittels Transporten in Viehwagons und Vergasung in Höhlen. Armenische Zwangsarbeiter wurden auch beim Bau der von Deutschen Experten geleiteten Bagdad Bahn eingesetzt. Es würde sich durchaus lohnen, die aktuelle Diskussion auch mit Blick auf die historischen Bezügen zu unserer eigenen Geschichte zu führen.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Haefeker

Tutzinger Straße 10
82402 Seeshaupt

Fax und Voicemail: +49 (89) 92 185 666
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