Melkonyan



Mein Lebenslauf

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LEBENSLAUF  VAHRIÇ MELKONYAN

 

Ich wurde am 17.Februar 1929 auf Büyükada/Istanbul als Sohn des Fuhrunternehmers Harutyun (die Türken sagen Artin) Melkonyan und der Hausfrau Sirarpi Melkonyan, geborene Bogosyan, geboren. Bemerkung: Auf  Zwang der Türkischen Regierung im Jahre 1936 mussten alle Personen, die der Minderheit angehörten, ihren Namen auf einen türkischen Namen ändern. Mein Vater hat den Namen Özmelkonyan gewählt. Bei der Ausstellung des neuen Ausweises wurde versehentlich mein Geburtsdatum mit dem 17.09.1929 eingetragen, getauft wurde ich allerdings lt. Kirchenunterlagen schon im Juli 1929.  Meine Volksabstammung ist Armenier, und ich war türkischer Staatsbürger. Da wir auf Büyükada, eine der Princess-Inseln im Marmarameer,  in einer überwiegend von Griechen bewohnten Gemeinde lebten, bin ich mit drei Sprachen aufgewachsen, Armenisch als Muttersprache, Türkisch als Landessprache und Griechisch als Ortssprache.

Da es auf Büyükada keine Armenische Schule gab, habe ich dort die Türkische Grundschule für  fünf Jahre besucht. Danach wollte ich ein armenisches Gymnasium besuchen. Da ich die Armenische Schrift nicht beherrschte, hat meine Mutter mir während meines Grundschulbesuches die Armenische Schrift beigebracht. Deshalb konnte ich das Armenische Mchitaryan Gymnasium in Istanbul im Stadtteil Pangalti besuchen. Die Schifffahrt mit der Fähre in die Stadt Istanbul dauerte 1,5 Stunden und anschließend 1/2 Stunde mit der Straßenbahn in den Stadtteil „Pangalti“. Der Unterricht in der  Ganztagsschule dauerte bis 16:00 Uhr, danach ging es wieder mit der Straßenbahn zurück nach „Karaköy“ zum Anlegeplatz, um von dort wieder mit der Fähre nach Büyükada zu fahren. Morgens musste ich um 05:00 Uhr aufstehen, um mit der Fähre um 06:00 Uhr nach Istanbul zu fahren. Nach zwei Jahren habe ich wegen der langen Straßenbahnfahrt nach Pangalti an das Getronagan Gymnasium in Karaköy (Galata) gewechselt.

Oben auf dem Bild bin ich als kleines Kind mit meiner Taufpatin Letisia Mariant  Keresteciyan, wir sagten nur Lady. Die Familie Keresteciyan hatte auf Büyükada eine Villa, in der sie nur im Sommer wohnten. Da mein Vater Fuhrunternehmer auf Büyükada war, und die Familie sich im Sommer mit unserer Kutsche fahren ließ, wurden die Ehefrau, die Italienerin war, und  die Tochter Letsia Mariant meine Taufpatinnen. Der Vater Berc Keresteciyan war armenischer Abstammung. Er war eine der drei Führungspersonen der Bank Ottoman in Istanbul, er war auch als einziger Armenier, der nicht Muslim war, im Aufsichtsrat beim damaligen Roten Halbmond, Hilal-i Ahmer, der Osmanischen Zeit in der Türkei. Er liebte sein  Vaterland sehr. In der Ottomanischen Zeit in Istanbul, während des ersten Weltkriegs hat er erfahren, dass die Engländer, das Schiff, mit dem Atatürk nach Samsun fuhr, torpedieren wollen. Er telegrafierte damals an den Schiffkapitän und benachrichtigte ihn über das Vorhaben der Engländer. Das Schiff hat seine Fahrt in Küstennähe nach Samsun am Schwarzen Meer genommen und konnte von den Engländern nicht torpediert werden. Nach einiger Zeit, als Atatürk die Türkische Republik gegründet hat, hat er dem Berc Keresteciyan einen türkischen Namen „ TÜRKER“  gegeben. Berc Keresteciyan wurde als Berc TÜRKER in das Parlament aufgenommen. Er wurde drei Mal, 1935, 1939 und 1943 zum Abgeordneten des Türkischen Parlaments gewählt. Später hat die Tochter den Englischen Botschafter geheiratet und ist für immer nach England umgezogen. Die Ehefrau war fromm Katholisch und wurde jeden Sonntag mit der Kutsche meines Vaters zu der Kirche St. Pacifiko auf Büyükada gefahren. Ich bin jeden Sonntagmorgen zu der Kirche gegangen und habe ihr die Hand geküsst, ich bekam immer einen Groschen als Taschengeld von ihr.

Letisia Mariant Keresteciyan (Lady) war sehr oft bei uns und nahm mich anschließend mit zu sich nach Hause, ich verbrachte jeden Sommer meine Kindheit, bis zu meiner Schulzeit, in der Villa Keresteciyan. Ich kann mich sehr gut an die Felle mit der Köpfen der Bären und der Löwen erinnern, die auf dem Boden im Salon lagen. Ich erinnere mich auch an den Salon in der oberen Etage der Villa, hier standen die Statuen von zwei schwarzen Dienern, mit je einem Tablett in den Händen.

Im Bild hält mich Letisia Mariant Keresteciyan (Lady) in unserem Garten auf Büyükada auf dem Arm.

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