Melkonyan



auf Büyükada

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Auf Büyükada ursprünglich PRINGIPO

  

 


















Da mein Vater Fuhrunternehmer war, besaß er auch mehrere Pferde. Ich durfte die Pferde reiten, aber die Pferde mussten unbedingt Augenschutz tragen, um seitlich nicht abgelenkt zu werden. Mein Vater war sehr ängstlich und besorgt um mich.

Die Knechte für den Pferdestall kamen im Sommer aus Ostanatolien, meistens waren es Kurden. Mein Vater hat jeden Sommer zwei Knechte im Stall beschäftigt. Sie schliefen im Pferdestall und pflegten die Pferde. Ein Knecht ging jeden Morgen zum Markt, wo mein Vater schon alles für die tägliche Versorgung eingekauft hatte, und brachte alles zu meiner Mutter nach Hause. Meine Mutter hatte mit dem Einkaufen nichts zu tun, sie brauchte nur zu kochen und den Haushalt zu führen.

An dem Tag, an dem ich reiten wollte, ging ich zum Pferdestall und bat den Knecht, mir das Pferd zum Reiten fertig zu machen. Er wusste, dass das Pferd mit Augenschutz geritten wird, deshalb hat er jedes Mal, trotzt meines Widerspruches,  den Augen-schutz beim Pferd angebracht. Danach konnte ich rund um die Insel, wo keine Autos fuhren, reiten. Griechisch Pringipo, „Prinzessinsel“, türkisch Büyükada, „Groß-Insel“,  eine Insel wie Capri. Im Sommer wird die Insel von Geschäftsleuten und Mittelstands-Familien, die ihre Sommerhäuser auf der Insel haben oder Wohnungen für fünf Monate, von Mai bis September gemietet haben, bewohnt.
Die Insel wurde im Sommer; mit Juden, Griechen, Armeniern und einigen wenigen reichen Türken bewohnt.
Die erwachsenen Männer fuhren jeden Morgen mit der Fähre, bei der damals die schnellste Fahrt eine Stunde dauerte, zum Zentrum nach Istanbul.
Die Frauen und die Kinder blieben auf der Insel und verbrachten ihre Zeit den ganzen Tag am Strand oder spielten Tennis.
Gegen 18:00 Uhr wurde die Promenade am  Anlegeplatz bevölkert. Alle Frauen haben sich schick angezogen und warteten auf die Fähre, mit dem ihre Männer zur Insel zurückkamen.
Die Männer werden von ihren Frauen am Anlegeplatz empfangen und zusammen ging es entweder, wenn sie weit weg wohnen mit der Kutsche, oder zu Fuß, nach Hause. Manche blieben dort am Anlegeplatz und saßen in einem am Wasser gelegenen Cafe. Manche saßen dort bis etwa 20:00 Uhr und anschließend gingen  für das Abendessen in ein Restaurant am Meer. 
Das war das Leben auf der Insel Büyükada. Auf der Promenade konnte man alle Sprachen hören. Die Juden sprachen meistens französisch, es war damals schick, französisch zu sprechen. Die  Griechen griechisch, die Armenier sprachen türkisch in der Öffentlichkeit, vermutlich von aus alten Zeiten übernommener Angst, entdeckt zu werden, dass sie Armenier sind. Zu Hause sprachen sie nur armenisch. Die jungen Frauen und Männer trugen fast alle Shorts. Am Abend machten sie sich schick, wie zu einer Modenschau und gingen ins Zentrum zur Promenade. Frauen mit Kopftuch sah man selten, Kopftuch trugen nur die älteren Frauen, aber niemand fühlte sich gestört.  
Die Promenade auf Büyükada um 10:00 Uhr. Die Leute trafen sich dort, entweder zum Einkaufen oder zum Schwimmen bzw. zum Tennis spielen.

Mein letzter Sommer 1957 auf Büyükada bzw. in Istanbul, Türkei.
Ich bekam das Schreiben der Ventilatorenfabrik Oelde, das ich nach Deutschland fahren kann.

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