Melkonyan



In Oelde

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Meine Geschichte in Oelde 

Nach dem ich am 14.Oktober 1957 in Oelde ansässig wurde und bis 1966 in der Ventilatorenfabrik Oelde arbeitete, habe ich in der Firmen-Fußballmannschaft als Torwart gespielt. 

Im Jahre 1961 hat die Waschmaschinen-Firma Cordes in Oelde-Lette acht Griechen aus Griechenland als Gastarbeiter geholt. Die acht Griechen wohnten in der Gaststätte auf der Lindenstr. 1, Gaststätte DEIDINGHOF, die Besitzer waren das Ehepaar Kwasinowski. Da die Griechen kein Deutsch sprachen, wurde ich als Dolmetscher  nach Lette geholt. Genau eine Woche nach Ankunft der Griechen wurde ein Grieche nach einer Explosion in der Fabrik schwer verletzt und ist im Krankenhaus verstorben. Ich kann mich genau erinnern, wie die Augenzeugen erzählt haben, dass der Verletzte, der ein Eisenstück im Schädel hatte, aus dem Wagen vor dem Krankenhaus ausgestiegen und über die Treppe ins Krankenhaus hinein gelaufen und dort bewusstlos geworden ist. Der damalige Chirurg Dr. Brameyer hat mir gesagt, dass er aus Düsseldorf einen Spezialisten für die Operation bestellt habe. Leider ist der Grieche bei der OP verstorben. Ich bin damals mit Herrn Roß, Geschäftsführer der Firma Cordes, für die Erledigung der Formalitäten  (Überführung des Verstorbenen nach Griechenland), nach Bielefeld zum griechischen Konsulat gefahren.

Kurze Zeit danach wurde ich von den Firmen Emaillierwerk Krone und Frieling gefragt, ob ich bei der Anwerbung von türkischen Gastarbeitern für ihre Firmen behilflich sein würde. Ich habe gesagt, dass die Türken sehr fleißiges und Arbeitswilliges Volk ist aber ihre Lebensweise sehr verschieden ist als die Europäische.

Damit die Firmen später keine Schwierigkeiten mit der Lebensweise und Kultur der Türken, die  Moslem sind und eine ganz andere Lebensweise als die Christen haben, z.B. sie benutzen keine europäischen Toiletten, essen kein Schweinefleisch, manche beten fünfmal am Tag usw., habe ich vorgeschlagen, Gastarbeiter aus Griechenland zu holen. Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich aus Istanbul komme, und da ich mit den Griechen zusammen groß geworden bin, die griechische sowie armenische und die türkische Sprache beherrsche.

Danach haben mehrere Firmen in Oelde Gastarbeiter aus Griechenland geholt, und ich wurde  für die Firmen und Behörden als Dolmetscher für die griechische Sprache tätig. 

Emaillierwerk Frieling: Die Gastarbeiter haben in verschiedenen Wohnungen gewohnt.
Emaillierwerk Krone:   Die Gastarbeiter haben in der alten Wirtschaft auf der Ecke Grünerweg-
                                   Wallstrasse gewohnt.
Osthues und Bahlmann: Die Gastarbeiter haben in auf dem Betriebsgelände aufgestellten
                                     Häusern gewohnt.
                                     Eine Person wurde als Koch für die Gastarbeiter ausgewählt. Er wurde
                                     jeden Tag um 11:00 Uhr freigestellt, um sich um die Vorbereitung für das
                                     Mittagessen zu kümmern.
Paul Hammelmann:       Die Gastarbeiter haben in einer über dem Betrieb bereitgestellten
                                     Wohnung gewohnt.
Haver und Boecker:       Die Gastarbeiter haben in einer über dem Betrieb bereitgestellten
                                     Wohnung gewohnt. 

  • Meine erste Tätigkeit bei der Kripo Oelde war wegen eines Sohns eines Griechen, der in einem Geschäft etwas gestohlen haben sollte. Da der Vater seinen Sohn nach Griechenland schickte, wurde das Verfahren eingestellt. 
  • Die Bewohner am Grüner Weg haben sich wegen nächtlicher Ruhestörung durch die Griechen, die bei der Firma Krone arbeiteten, bei mir beschwert und mich gebeten, ihnen zu sagen, in der Nacht leise zu sein.

Als ich diesen Wunsch übermittelte, wurde mir gesagt, dass sie aus den Dörfern gekommen sind und gerne ein Haus im Wald hätten, damit sie dort machen können, was sie wollen. Ihre Einstellung hat sich aber in sehr kurzer Zeit geändert und sie haben sich  den hiesigen Gewohnheiten angepasst, und es kam keine Beschwerde mehr aus der Nachbarschaft. 

  • Ich habe versucht, einen Priester nach Oelde zu holen. Deshalb bin ich nach Bonn zu Herrn Archimadritis gefahren und habe ihn gebeten, uns einen griechischen Priester für  die Gottesdienste zur Verfügung zu stellen. Für die Gottesdienste  habe ich zuerst die Erlaubnis der Katholischen Kirche für die griechischen Gottesdienste bekommen. Aber nach kurzer Zeit wurde diese Erlaubnis wegen Uneinigkeiten zurückgenommen. Danach habe ich die Benutzung der evangelischen Kirche erhalten, aber leider haben einige Griechen ihre Namen in die Bänke geritzt, und deshalb blieb die griechische Gemeinde wieder ohne Kirche. 
  • Ich habe einen griechischen Fußballverein gegründet. Sie haben an regionalen Fußballspielen teilgenommen. 
  • Im Cafe Wiegard in Oelde haben wir schon im Jahre 1958 einen Stammtisch mit allen in Oelde lebenden Nationalitäten und den Deutschen gegründet. Der Stammtisch war mit den Leuten aus England, Indien, USA, Türkei und Deutschland besetzt. 
  • Einen Sonntag, als wir an unserem Stammtisch saßen, kam ein Grieche in das Cafe und sprach mich an, ob ich der Dolmetscher sei, und bat um eine kurze Unterhaltung. Ich bin mit ihm an seinen Tisch gegangen und habe gefragt, um was es geht. Er stellte sich vor als J. Ch. wohnhaft in Hannover.

Er schlug mir vor, mit ihm hier in Oelde ein Lokal zu mieten und zusammen ein Dolmetscherbüro zu eröffnen. „Die Griechen, die hier leben, sind alles Schafe, sie brauchen einen Schäfer, und wir werden die Schäfer sein. Im Büro wirst Du nur mit Dolmetschertätigkeiten zu tun haben, für das Geld werde ich zuständig sein. Von jedem, der ins Büro kommt, werde ich 20 DM kassieren.“ Das waren seine Worte. Ich habe ihm gesagt, dass die Griechen, die hier leben, keine Schafe sondern Menschen sind und habe  seinen Vorschlag abgelehnt. 

  • Nach einigen Monaten ist diese Person, welche aus Kilkis stammt und seine Eltern aus der Türkei nach Griechenland ausgewandert waren, nach Oelde umgezogen. Erst hat er ein Lebensmittelgeschäft eröffnet, danach im Kleygarten ein Haus von der Fa. Bindegarn gekauft und die Zimmer an die Ausländer vermietet. In der Parterre des Hauses hat er eine Bar und ein griechisches Kaffeehaus eingerichtet. 
  • J.Ch.hat die hiesigen Griechen gespalten und anschließend versucht, eine griechische Gemeinde zu gründen. Er hat für die Wahl eines Gemeindevorstehers diese Wahl in der Wirtschaft Sommer, am Stromberger Tor, veranstaltet und sich wählen lassen. 
  • Nach einigen Jahren ist J. Ch., nach dem er Unruhe zwischen den Griechen in Oelde gestiftet hatte,  nach Griechenland zurückgekehrt. 
  • Inzwischen kamen einzelne Türken nach Oelde und wurden hier ansässig. Ich wurde von der Stadt Oelde beauftragt, für die Griechen und Türken in der Volkshochschule Deutsch zu unterrichten. Es kamen ca. 30 Griechen und Türken zum Deutschunterricht. Aber nach einigen Monaten wurden es weniger. Es wurde kein weiterer Sprachkursus angeboten. 
  • Ich habe mich von der Arbeit (Sozialarbeit), die ich für die Griechen gemacht habe, ab 1975 schrittweise zurückgezogen, da ich diese Arbeit, die ich bei den griechischen Familien durchgeführt hatte, bei den türkischen Familien in dieser Form  nicht durchführen konnte. Aber meine Dolmetschertätigkeiten bei der Polizei und bei den Gerichten habe ich weitergeführt und führe sie immer noch aus.

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