Melkonyan



Kurze Erinnerungen 2

Untitled document

Meine kurzen Erinnerungen

1. Müll im Wald

Es war etwa 1967-1970 als viele ausländische Arbeiter in Oelde in verschiedenen Fabriken beschäftigt waren. Sie lebten hier mit ihren Angewohnheiten, die sie aus ihrer Heimat mitgebracht haben. Ich habe die griechischen Mitbürger sofort nach ihrer Ankunft im Jahre 1960 in Oelde jeden Tag nach meiner Arbeit bei der Ventilatorenfabrik Oelde entweder in den Fabriken, wo sie als Schichtarbeiter tätig waren, oder in deren Wohnungen besucht. Ich habe versucht, ihnen zu erklären, wie sie sich an hiesige Gewohnheiten anpassen können. Danach kamen auch hin und wieder einige türkische Mitbürger, die in den Fabriken anderer Städte arbeiteten, nach Ablauf ihrer Jahresverträge nach Oelde. Sie arbeiteten bei der Westfalia Separator und bei der Firma Cordes in Lette. Da ich 1957 nach Oelde kam und als einziger Ausländer armenisch, griechisch und türkisch sprach, war ich sehr gefragt. Ich habe alle Angelegenheiten dieser ausländischen Mitarbeiter (damals wurden sie Gastarbeiter genannt) bei den Behörden geholfen und alles für sie erledigt. Ob die Firmen oder die Behörde, damals Amtsverwaltung, haben mich wegen der zu erledigenden Tätigkeiten zu Hilfe geholt.

Eines Tages rief mich der damalige in der Amtsverwaltung beschäftigte Herr, (an seinen Name kann ich mich nach 50 Jahren nicht mehr erinnern, ich weiß nur, dass er mit einem Bein hinkte) und zeigte mir einen Briefumschlag. Dieser Herr war im Ordnungsamt tätig und ging öfter in die Oelder Wälder und suchte dort nach wild abgeladenem Müll. Bei einem dieser Kontrollgänge hat er in dem Wald zwischen Oelde und Lette entsorgten Hausmüll entdeckt. Beim Untersuchen dieses Mülls hat er einen Briefumschlag gefunden. Als er mir diesen zeigte und ich den Namen las, habe ich den Besitzer sofort erkannt und dem Herrn vom Amt gesagt, dass ich ihn kenne. Der Herr bat mir, dem Entsorger dieses Mülls zu sagen, dass er diesen im Wald entsorgten Müll sofort wieder mit nach Hause nehmen und in seine Mülltonne werfen muss, sonst wird er Strafe zahlen müssen. Ich habe den Müllverursacher, den ich ihn gut kannte und ihn als einen vernünftigen Menschen schätzte, erklärt, was für einen Fehler er gemacht hatte. Er soll den Müll sofort aus dem Wald holen und in seiner Mülltonne entsorgen. Der Müll war am selben Tag aus dem Wald entsorgt. Der Verursacher blieb anonym und ist unbestraft davongekommen. Für ihn war das entsorgen von Abfall in einem Wald nichts Verbotenes, da er das aus seiner Heimat so kannte. Er war mir sehr dankbar, und so etwas ist nie mehr vorgekommen.  

2. Entführungsfall am Bahnhof in Oelde

Die Stadt Oelde war ab 1965 bei den Türken sehr beliebt und durch Mundpropaganda kamen die Türken nach Oelde. Sie fanden in den Fabriken Arbeit. Das Arbeitsamt Oelde war damals auf der Warendorfer Straße in der Nähe zur Lindenstraße ansässig. Der Beamte am Arbeitsamt suchte Arbeiter für die Firmen in Oelde und in der Umgebung, er besorgte sogar für die Türken Arbeit  bei einer Baufirma, die in Bockum-Hövel ansässig war. Danach, als die Fabriken genug Arbeiter hatten und nicht mehr nach Arbeitern suchten, kamen die türkischen Arbeitsuchenden illegal und suchten Asyl in Deutschland. Manche Asylbewerber heirateten eine deutsche Frau und lebten in Scheinehe, um in Deutschland bleiben und arbeiten zu können. Der Preis für eine Scheinehe war anfangs 5000 DM. Der Preis für eine Scheinehe wurde von Jahr zu Jahr teurer bis zu 20000 DM. Die Asylbewerber, die kein Geld hatten, versuchten durch eine echte Eheschließung in Deutschland zu bleiben. So ein Fall geschah Mitte November 1978 in Oelde.

Eines Morgen, etwa um 06:00 Uhr, gingen zwei türkische Mädchen zu Fuß zum Bahnhof, um von dort mit dem Firmenbus zur Arbeitsstelle nach Lette zu fahren. Plötzlich tauchte ein Pkw vor den Geschwistern, die zum Bahnhof gingen, auf und zwei Männer zerrten die jüngere Schwester Ayse in das Auto und fuhren sofort weiter. Die ältere Schwester kannte die Entführer, sie waren die Verwandten einer türkischen Familie aus Isparta, eine Kreisstadt in der Westtürkei. Die Kripo aus Beckum war sofort vor Ort, aber wegen der Sprachschwierigkeiten konnten nicht weiter ermitteln. Ich wurde von der Firma Claas, wo ich beschäftigt war, telefonisch nach Oelde gerufen. Als ich in Oelde war, habe ich durch den Leiter der Kripo, Herrn Karnstedt, erfahren, was geschehen war. Da ich als Dolmetscher sehr engagiert war und nicht nur gedolmetscht, sondern sogar bei den Ermittlungen mitgewirkt habe, sprach ich mit der Schwester der Entführten. Als ich von der Familie aus Isparta/Türkei erfahren habe, bin ich sofort zu der Familie gefahren. Der Vater, ein anständiger und gläubiger Mensch, wusste nicht, wer das Mädchen entführt haben könnte. Ich sprach mit seinem Sohn, der bei der Polizei in Oelde durch seine kleinen Straftaten bekannt war. Der Sohn dieser Familie hatte öfter älteren Frauen  im Stadtpark die Handtasche aus der Hand gerissen. Er war der Polizei bekannt. Der Vater, ein anständiger Mensch, hat mir einmal gesagt: „was soll ich mit dem machen, er ist mein Sohn, soll ich ihn wie einen Hund töten“? Am Anfang unseres Gespräches tat er so, als wüsste er nichts davon. Da ich ihn wegen seiner ungesetzlichen Taten sehr gut kannte, habe ich in kurze Zeit erfahren, wer das Mädchen Ayse entführt hat und wohin sie gebracht wurde. Der Entführer war ein Cousin von ihm und war Asylbewerber. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, und er musste binnen einer Woche das Land verlassen. Nach dem ich den Ort, wohin das Mädchen entführt worden ist, erfahren habe, sind die Kripobeamten mit einer Hundestaffel und ich nach Sendenhorst zu dem Bauernhof gefahren, wo sich das Mädchen und der einer der Entführer aufhielten. Da die Kripobeamten nicht wusste, ob die Entführer Waffen haben, waren sie sehr vorsichtig und haben das Haus, in dem sich das Mädchen mit dem Entführer aufhielt, umzingelt und vorsichtig genähert. Als die Hunde uns zum Zimmer, wo die Beiden sich aufhielten, führten, war es schon 13:00 Uhr Als wir das Zimmer betraten, lagen die beiden nackt im Bett. Die Kripobeamtin, die bei uns war, hat das Mädchen umarmt und in eine Bettdecke gewickelt, während die anderen Kripobeamten den Täter gefasst und ihn aufgefordert haben, sich anzuziehen.

Das Mädchen erzählte uns, dass der Entführer, bis zu unserem Betreten des Zimmers, mit ihr sieben Mal Sex gemacht habe.

Bei der Vernehmung wurde festgestellt, dass der Entführer sie nicht für Sex, sondern um sie zu heiraten und dadurch in Deutschland bleiben zu können, entführt hat. Bei den Türken wird ein Mädchen geheiratet, wenn das Mädchen noch Jungfrau ist, sonst wird sie keinen Mann finden, der sie heiratet. Deshalb wurde mit ihr Sex gemacht, um ihn gezwungener Maßen heiraten zu müssen. Der Vater des Mädchens aber war nicht einverstanden. Der Entführer und der Mithelfer wurden am Landgericht Münster verurteilt und beide bestraft. Der Asylbewerber wurde nach Abbüßung seiner Strafe in die Türkei abgeschoben.

Nach ein oder zwei Jahren hat das entführte Mädchen einen in der Türkei lebenden Cousin geheiratet, und sie lebten beide noch einige Jahren in Deutschland, danach zogen beide in die Türkei in ihre Heimatstadt zurück.

3. Enttäuschung von Verwandten

Wir, meine Frau und ich, sind jedes Jahr zwei Mal ins Ausland gereist. Eine große und eine kleine Reise. Bei einigen dieser Reisen hat uns unser Sohn Dr. Harutyun Melkonyan begleitet. Harutyun hat bei einer dieser Reisen, er flog mit uns nach Istanbul, mit Hilfe unserer Verwandten einige Silberteile für sein DNA Geschäft gekauft. Harutyun hat neben seinem Beruf, an der Universität Münster ist er als Biologe tätig, ein kleines Geschäft, und er fertigt in seinem Labor in seinem Haus kleine Geschenkartikel mit der DNA der betreffenden Person an. Die DNA wird u. a. je nach Wunsch in silbernen kleinen Glastuben, entweder als Anhänger oder Ring, verpackt.  Der Silberpreis war in Istanbul günstiger als in Deutschland. Deshalb wollte unser Sohn bei unserer Reise nach Istanbul wieder Silber kaufen. Wir sind wieder in den Bazar (Kapali Çarşı) zu dem Aramäer, der in seinem kleinen Geschäft Silberartikel verkauft, gegangen. Diesmal ist die Ehefrau meines Verwandten in das Geschäft gegangen. Harutyun hat die Silberteile, die er kaufen wollte zusammengestellt und während dieser Zeit sprach unsere Verwandte mit dem Aramäer leise über den Preis. Als Harutyun noch am suchen war, wurde ihm gesagt, dass der Preis in diesem Jahr 20 Cent pro Gramm teurer geworden ist. Diese plötzliche Preiserhöhung hat mich so wütend gemacht, dass ich sofort aus dem Geschäft ging und auf einem Hocker vor dem Geschäft gesessen habe. Meine Frau und Sohn waren im Geschäft und suchten weiter die zu kaufenden Silberteile. Kurz danach kam mein Verwandter, der Ehemann der Frau ins Geschäft und fragte mich, warum ich so wütend draußen sitze. Ich erklärte ihm die Sache mit dem Preis. Er ging sofort in das Geschäft und sagte zu seiner Frau: „Ich habe Dir gesagt, dass es so nicht geht“. Er sprach mit dem Aramäer einige Worte und kam zu mir und sagte:  „Nein Onkel, der Preis bleib wie in der Vergangenheit. Harutyun hat das Silber gekauft und hat gleich bar bezahlt. Alles, was dort geschah, war für das aramäeische Ehepaar sehr peinlich. Die Frau gab meiner Frau einen kleinen Spiegel in Silber als Geschenk.

Ich habe sofort gewusst, dass die Ehefrau meines Verwandten einen Gewinn für sich machen wollte. Sie hat den Preis absichtlich um 20 Cent pro Gramm erhöht, um das Geld als Vermittlergebühr für sich zu behalten.

Diese Verhaltensweise von einem Verwandten hat uns sehr betroffen gemacht. Wir haben niemals erwartet, dass eine Verwandte von uns Geld verdienen möchte. So etwas ist uns sehr fremd, und ich habe in der Geschichte unserer Verwandtschaft niemals  so etwas gehört oder gesehen.
Sie ist nicht blutsverwandt mit uns, sie ist angeheiratet. Anscheinend ist es bei ihrer Verwandtschaft  ganz normal, so etwas zu tun. 

4. Benehmen ist Glücksache
Heute am Dienstag sind wir wie an allen Dienstagen und Freitagen, um 11:00 Uhr zum Wochenmarkt in Oelde gefahren. Nachdem wir wieder zu Hause waren, stellte Helga im Computer fest, dass die Medikamente, die sie Sonntag bestellt hatte, bei dem Nachbarn (mit Name) zugestellt wurden. Da wir die Nachbarn nicht stören wollten, haben wir gewartet, dass sie uns anrufen, damit wir die Pakete abholen oder dass sie sie uns bringen. Als ich am Nachmittag um 18:00 Uhr mit dem Auto von einem Termin zurückkam, und ich mich noch in der Garage befand, hörte ich eine lauten Ruf (höiiii) und drehte mich zurück. Der Nachbar stand vor seiner Haustür und zeigte mir zwei kleine Pakete die ich abholen solle. Ich ging mit erstaunten Blicken zu ihm. Als ich bei ihm war, gab er mir die Pakete und sagte mir: „Ich war in meiner Jugend Waldarbeiter, und so haben wir uns gegenseitig gerufen“, er hob seine beiden Hände hoch, legte sie um seinen Mund und rief laut höiiiii. Damit wollte er mir sagen, warum er mich nicht mit meinem Name gerufen hat. So weit sind wir gekommen, von anderen Leuten zweitklassig behandelt zu werden!!! Ich habe mich beherrscht und ihn auf seine unhöfliche Haltung nicht aufmerksam gemacht. Ich möchte mich nicht auf dieses Niveau begeben. Ich hatte den Eindruck, dass er sich gefreut hat, dass er mich seiner Meinung nach beleidigt hat, ich habe mich gefreut, dass ich mich beherrscht habe und mich nicht auf diese Stufe begeben habe. Ich stelle jeden Tag fest, dass das Sprichwort den Tatsachen entspricht: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

5. Übersetzung des Briefes eines Angeklagten

Während meiner Dolmetschertätigkeit bei den Gerichten habe ich auch Briefe der in der Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten übersetzt. Ein Jugendlicher, der in der Untersuchungshaft saß, hat an seinen Freund einen Brief geschrieben. In dem Brief wurde von der Vergangenheit erzählt und in einer Passage stand, wie er an die Wand uriniert hat. Er schrieb aber in türkisch nicht urinieren sondern pissen. Dies habe ich in meiner Übersetzung, um die Persönlichkeit des Angeklagten aufzuhellen, auch als „Pissen“ übersetzt. Während der Gerichtsverhandlung wurde meine Übersetzung des Briefes von dem Jugendrichter vorgelesen. Als der Richter den Satz mit Pissen vorlas, erklärte er den Anwälten mit den Worten „der Dolmetscher hat pissen geschrieben“ und schaute mich an. Da die Verhandlung gegen einen jungen Türken und nicht mein Problem war, habe ich, um die Verhandlung nicht zu stören, keine Erklärung abgegeben. Ich habe aber gedacht „ich versuche die Briefe so genau und wortgetreu zu übersetzen, dass sich der Richter von dem Betroffenen ein richtiges Bild machen kann, aber leider wissen manche Menschen es nicht zu schätzen“. Ich konnte die Briefe aber nicht anders übersetzen, als sie geschrieben sind. Sonst wird der Sinn des Briefes verfälscht. Die Worte des Richters haben mich sehr gekränkt, aber trotzdem habe ich meine Übersetzungsart nicht geändert.

6. Die Geschichte einer türkischen Familie 
 

Der Vater einer türkischen Familie kaufte eines Tages ein Haus mit einem schönen Nutzgarten für fast 200.000 DM. Die Finanzierung des Hauses wurde von einer Bank durchgeführt. Da das dreistöckige Haus renovierungsbedürftig war, wurde von der Bank nochmals ein Darlehen über 100.000 DM gewährt. Das Haus wurde renoviert und an mehrere Familien vermietet. Die Miete wurde für die Rückzahlung des Kredits an die Bank gezahlt. Nach einigen Jahren waren schon die Kreditschulden bis auf 120.000 DM gesunken. Da der Vater mit seinen Söhnen zusammen lebte und auf sie vertraute, gab er einige Male Vollmachten an die Söhne, ohne zu wissen, was sie damit machten. Die Schulden wurden anstatt weniger zu werden immer mehr und mehr. Die Bank hat ihn mehrere Male ermahnt und ihn aufmerksam gemacht, dass, wenn er noch mehr Schulden macht, das Haus verkauft werden kann. Diese Ermahnungen haben die Familienmitglieder gestört. Sie wollten ununterbrochen Darlehen bekommen, ohne das Darlehen zeitlich zurückzuzahlen. Eines Tages, als der Vater der Familie sich in der Türkei befand, haben die Kinder ihm eine Vollmacht geschickt zu unterschreiben. Die Vollmacht wurde wieder in vollem Vertrauen unterschrieben und an die Söhne zurück gesendet. Die Söhne haben mit der Vollmacht die Bank gewechselt. Alle Schulden hat diese andere Bank übernommen und damit konnten die Kinder unbegrenzt Darlehen erhalten. Sie haben aber nicht bemerkt, dass diese Bank 14 bis 15% Überziehungs-Zinsen nimmt, und die Tilgung des Darlehens nur 1% betrug. Damit wurden die Schulden so vermehrt, so dass die Kinder Angst bekamen.  Der Vater hat diesmal sein Haus mit dem Nutzgarten an einen seiner Söhne überschrieben, mit dem lebenslangen Wohnrecht für ihn und seine Frau. Für die notarielle Überschreibung wurde ich als Dolmetscher bestellt. Die Schulden hatten sich vermehrt auf ca. 170.000 EUR. Der Sohn versuchte, einen Teil des Nutzgartens an ein Immobiliengeschäft zu verkaufen. Es wurde der Nutzgarten zu einem niedrigeren Preis pro qm verkauft und dieses beim Notar von dem Sohn, dem Vater und der Mutter unterschrieben. Es wurde kein Dolmetscher hinzugezogen, obwohl die Mutter kein Wort Deutsch versteht. Dieses wurde auch nicht vom Notar protokolliert. Der Vater beherrscht ein wenig, die Mutter überhaupt nicht die Deutsche Sprache. Die Eltern haben unterschrieben in dem Glauben, dass der Vertrag so angefertigt wurde, wie sie es wünschten und verstanden haben. Aber es war nicht so, wie sie sich es vorgestellt haben. Als das Grundstück vermessen wurde, haben die Mutter und der Vater festgestellt, dass der Nutzgarten insgesamt verkauft wurde. Der Sohn rief mich an und erzählte er mir was alles geschehen ist und fragte mich, ob sie von diesem Vertrag zurücktreten können. Der Vater und die Mutter waren mit dem Verkauf des ganzen Nutzgartens nicht einverstanden. Wir trafen uns, die Verkäufer und die Käuferin an dem Grundstück. Die Mutter und der Vater wollten von dem Vertrag zurücktreten. Danach wurde von der Käuferin vorgeschlagen, dass die Verkäufer das letzte Stück vom Grundstück für einen Nutzgarten lebenslang gegen eine Pachtgebühr benutzen können. Wir haben vereinbart, uns nach einer Woche Bedenkzeit hier nochmals zu treffen. Ich habe den Verkäufern gesagt, dass sie, wenn sie zurücktreten wollen, zu einem Rechtsanwalt gehen müssen. Der Vater und ich gingen zu dem RA, den sie schon lange kennen. So läuft die Geschichte der Menschen, die keine Bildung haben und nicht rechnen können. Ich habe ihnen Folgendes gesagt: Man kann nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Deshalb hat die  Bank in Oelde Euch aufmerksam gemacht, Ihr habt aber diese Warnung nicht verstanden. Es dauert nicht mehr lange, und das Haus wird wegen der Schulden, versteigert.

7. Schikane des Nachbarn    
Heute Donnerstag um 14:45 Uhr besuchte uns ein Bekannte. Als er um 15:15 Uhr aus der Wohnung ging und in sein Auto, welches auf unserer Auffahrt stand, stieg, ließ der Nachbar die hintere linke Tür seines Auto auf, der gegenüber ihrer Garage am Straßenrand parkte und ging in seine Garage. Er sah, dass mein Besuch mit seinem Pkw weg fahren wird und ließ trotzdem die linke Tür seines Pkw weit geöffnet. (Sollte mein Besuch die Tür seines Auto beschädigen??!!). Als ich bemerkte, dass mein Besuch mit dem Herausfahren Schwierigkeiten bekommt, bin ich zum Auto des Nachbarn gegangen und habe die Tür zu gemacht. Plötzlich hörte ich die Nachbarin, die mir schreiend
  sagte: „Sie haben einen Mund, warum sagen Sie es uns nicht“ daraufhin habe ich ihr gesagt „Ich habe Beine, deshalb habe ich die Tür selber zu gemacht, oder sollte ich Ihr Auto nicht anfassen?“ Sie hörte nicht auf mit den Worten, „Sie haben einen Mund, sagen Sie uns, dass wir die Tür zu machen“. Nach einigen weiteren Wortwechseln fuhr unser Bekannte weg, und ich ging in mein Haus. Ich glaube, dass ich auch gesagt habe, dass sie meinen, sie seien wohl die einzigen Bewohner und  Herrgötter auf der ganzen Strasse. Ob sie sich als bessere Menschen fühlen, als die anderen Bewohner? Sie antwortete, dass sie normale Menschen seien.

8. Die Tat  der dreifachen Mörder und die Denkweise des Vaters eines Mörders Zwei junge Männer, 23 Jahre und 28 Jahre alt, haben in Köln beide in einem Juweliergeschäft den Beruf Juwelenfasser gelernt. Beide haben jeweils 20.000 bis 30.000 DM gespart. Danach haben sie beide gemeinsam ein Schmuckgeschäft geöffnet. Der 28 Jährige heiratete im Jahre 1986. Der 23 Jährige lebte mit einer Freundin. Die beiden haben sich sehr gut, wie Brüder, verstanden. Ihre Aufträge erhielten sie von einem Juwelenhändler. Durch den Juwelenhändler lernten sie einen jüdischen Juwelengroßhändler, der mit Edelsteinen und Qualitätsschmuck handelte, kennen. In seiner Wohnung in Köln befand sich sein Arbeitszimmer, hier führte er seine Geschäfte durch. Nach einigen kleinen Aufträgen wurde diese Juwelengroßhändler der beste Kunde der Beiden. Sie bekamen so viele Aufträge, dass sie täglich bis 22:00 Uhr arbeiten mussten. Es war zu viel Arbeit, und sie versuchten  mit den Auftragsgeber zu verhandeln, aber der Auftraggeber bestand auf seine Termine und sagte, wenn sie es nicht schaffen können, muss er sich anderweitig umsehen. Sie wollten aber diesen Kunden nicht verlieren und überlegten, eine andere Lösung zu finden. Da der Kunde vor hatte ein großes Geschäft zu öffnen, verwahrte er seine Schmuckstücke im Wert von über 10 Millionen DM in seiner Wohnung. Die beiden Männer fassten im Juni 1989 den Entschluss, eine Gelegenheit zu suchen, den jüdischen Kunden bei einem Arbeitsbesuch in dessen Wohnung zu töten. Sie kauften ein Küchenmesser mit feststehender Klinge von 11 Zentimeter Klingenlänge. Eines Tages im Juni 1989 bekamen sie einige Aufträge, die sie unbedingt anfertigen und zu dem Auftraggeber nach Hause bringen sollten. Sie fuhren gegen 22:30 Uhr zu dem Auftragsgeber in die Wohnung. Sie gingen in das Arbeitszimmer. Die Ehefrau des Auftraggebers war schon ins Bett gegangen. Der Auftraggeber öffnete den Tresorraum und holte zwei große Brillanten und zeigte den beiden den Qualitätsunterschied der beiden Brillanten. Als der Auftraggeber dem Jüngeren den Rücken zudrehte, stach der Jüngere mit dem Messer, das er in seiner Hosentasche hatte, dem Auftraggeber in den vorderen Halsbereich. Der Verletzte schrie um Hilfe und versuchte, den Angreifer abzuwehren. Der 23 Jährige stach 21 Mal zu und tötete seinen Auftraggeber. Der Auftraggeber war 53 Jahre alt. Während dieser Zeit lief der Ältere auf den Flur und passte auf, ob jemand kommt. Da die Ehefrau des Auftraggebers von den Schreien ihres Mannes wachgeworden war, kam sie aus dem Schlafzimmer in den Flur. Der 28 Jährige rief seinen Partner hinzukommen. Der 23 Jährige kam mit dem Messer in der Hand in den Flur und stach der Frau von rechts in den linken vorderen Halsbereich. Die Frau versuchte, während der 23 Jährige ihr insgesamt 15 Stiche versetzte, sich bei ihm fest zu klammern. Durch die Stichverletzungen starb sie innerhalb von etwa einer Minute. Sie war ebenfalls 53 Jahre alt. Durch den Kampflärm und die  Schreie des Auftragsgebers war die Haushälterin, die sich in ihrer Wohnung bereits zu Bett begeben hatte, aufmerksam geworden. Sie zog einen Morgenmantel an und ging vom vierten in das fünfte Obergeschoß zur Wohnung der Eheleute. Sie schloss mit dem ihr zur Verfügung stehenden Schlüssel auf und rief sie „was ist denn los“? Der ältere Täter war durch das Erscheinen der Frau in der Wohnung der Eheleute überrascht. Er rief seinen Komplizen, um ihn aufmerksam zu machen. Der 23 Jährige drehte sich um und stach die Frau mit dem Messer nieder. Die Frau fiel um und er kniete sich auf die Frau und versetzte ihr insgesamt 30 Stiche. Die 73 Jährige starb in kurzer Zeit. Die beiden gingen in den Tresorraum und packen alles was sich dort befand in einen Plastikbeutel und in eine dort vorhandene Tasche ein. Sie gingen aus der Wohnung und aus dem Haus zu ihrem Auto. Als sie das Haus verlassen haben, ging ein anderer Hausbewohner in das Haus und sah die Beiden. Die Beiden fuhren zu ihrem Geschäft, packten die Brillanten und andere Schmuckstücke, die etwa 10 Millionen DM Wert  zusammen und versteckten sie in einem Busch.  Dadurch, dass ein Hausbewohner sie etwa um 23:00 Uhr beim Verlassen des Hauses gesehen hat, wurden sie beide von der Polizei gefasst. Beide Täter gaben die Tat zu. Nur ein Teil der Brillanten wurde gefunden. Der größte Teil wurde nicht gefunden. (In der Nacht nach der Tat wurde der Großteil der Brillanten und Schmuckstücke den Eltern des 28 Jährigen gegeben. Als die Täter noch in Untersuchungshaft saßen, sind die Eltern des 28 Jährigen in die Türkei gefahren, um dort ihren Urlaub zu verbringen).  Nach 12-tägigen Gerichtsverhandlungen wurden beide Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 
Da ich die Familie des 28 Jährigen Täter sehr gut kannte, habe ich in einem Gespräch mit seinem Vater erwähnt, dass sein Sohn an der Tötung von drei Juden beteiligt war. Er war sehr gelassen und sagte mir „ was soll das, mein Sohn hat nur drei Juden umgebracht, die Deutschen haben sechs Millionen umgebracht.“ Diese Person war jemand, der in der Kirche tätig war und sich als Christ bezeichnet.
Nach 15 Jahren wurde der 28 Jährige aus dem Gefängnis entlassen und in die Türkei abgeschoben. Er ging mit seiner Frau in die Türkei und seine Eltern und seine Tochter blieben in Deutschland. Höchst- wahrscheinlich ist die ganze Familie versorgt und lebt mit gutem Gewissen in Ruhe weiter.
Diese Geschichte ist wahr, und ich kann niemals vergessen, was damals in Köln geschehen ist.

 

 

 



Seite zurück: Kurze Erinnerungen 1
nächste Seite: Kurze Erinnerungen 3


 

© Copyright 2004-2018 - CMS Made Simple
This site is powered by
CMS Made Simple version 1.11.11
Template Womba2

Design: by DNA4U, das andere Ge(n)schenk®