Melkonyan



Kurze Erinnerungen 4

Denkweise der jungen Türken in Oelde 

1. Im Jahre 2008 fand wieder das Fest KERMES der türkischen Moschee auf der Wallstrasse statt. Ich war, wie in allen Jahren, zu diesem Fest eingeladen. Bei der Begrüßung einiger Gemeindemitglieder sprach mich der türkische Lehrer, der in der Schule in Oelde unterrichtet, an. Er bemängelte meinen Bericht über die Türken in der Zeitschrift „Die Glocke“. Mein Bericht  in der Glocke vom 13.10.2007 wegen meines 50jährigen Jubiläums in Deutschland,  hat ihn und alle Türken, die Oelde wohnen, gestört. Ich war erstaunt, weil ich nichts Schlimmes über die Türken gesagt habe. Ich habe den Grund warum ich die Türkei verlassen und in Deutschland meine neue Heimat gefunden habe, erwähnt. Darunter habe ich auch über den Hauptgrund, die Pogromnächte am 6.und 7. September 1955, berichtet. Über diese Tage hätte ich nicht berichten dürfen, das passt den Türken nicht. Er sagte mir, dass es für ihn sehr schwer war, die jungen Türken zu beruhigen. Die jungen Türken, die in Oelde wohnen, wollten mir Gewalt antun. Darüber war ich sehr enttäuscht, weil ich den Türken, nicht nur denen in Oelde,  auch in anderen Städten, Tag und Nacht immer mit meiner Dolmetschertätigkeit geholfen habe. Einige ältere Türken, die sehr lange hier leben, schätzen meine Arbeit für sie. Aber da ich die Mentalitäten kenne, durfte ich nicht enttäuscht sein. Sie können die Wahrheit mit unangenehmen Taten nicht ertragen, und sie verdrängen solche unschönen Taten aus ihrem Gedächtnis. Sie können keine Kritik vertragen. Ich habe versucht, ihm zu erklären, dass ich nicht die Unwahrheit, sondern die Wahrheit berichtet habe, aber es war alles vergebens. Meine Vermutung für ihre Uneinsichtigkeit ist, weil nicht über die schlechten Ereignisse, die in der Türkei geschehen, berichtet wird, oder über die Taten wird in beschönigender Form berichtet. Das Schlimmste ist, dass die Eltern den Kindern bei Diskussionen anstatt Gewalt die Kommunikation zu wählen nicht beibringen.

                                                           Erblindeter Grieche mit 3 Schwestern

 2. Der Vater einer griechischen Familie, die auf Büyükada  in Istanbul wohnten, konnte die Vermögenssteuer (Varlik Vergisi), die 1942 den Minderheiten in der Türkei auferlegt wurde, nicht zahlen. Die Steuer, die er zahlen musste war, wie bei den anderen Nicht-Muslimen, unverhältnismäßig hoch. Da er nicht in der Lage war, diese hohe Steuer zu zahlen, musste er mit den anderen nichtmuslimischen Geschäftsleuten auf den Berg ASCHKALE gehen und dort in den Steinbrüchen arbeiten. Er hat es, wie manch andere alte Geschäftsleute, nicht überlebt. Der Sohn Koco ging zum Arbeiten nach England, um die Familie zu ernähren. Nach einem Arbeitsunfall verlor er das Augenlicht und kam erblindet zurück nach Istanbul. Die Familie war mit dem Besitzer der Werkstatt Ventilatorenbau in Istanbul, wo ich als Meister beschäftigt war, befreundet und aus diesem Grund war der blinde Koco einmal in der Woche bei ihm in der Firma zu Besuch. Da ich auch auf der Prinzen Insel Büyükada wohnte, bin ich mit ihm nach meiner Tätigkeit mit der Fähre zur Insel gefahren und habe ihn bis zu seinem Haus zu seinen Schwestern gebracht. Koco besaß damals einen Elektro-Rasierapparat. Es hat mir Spass gemacht,  in den Jahren 1952-1957, ich war ja noch recht jung, ihn mit der Fähre mitzunehmen und auf der 1,5 stündigen Fahrt zur Insel zu fahren. Während der Fahrt erzählte er uns Insulanern einige Geschichten, die er in England erlebt hatte. Die Erinnerungen an diese und andere schöne Begebenheiten, die ich in meiner Jugendzeit erlebt habe, machen mir heute noch Freude. Es hat mir schon in meiner Jugend Freude gemacht, hilfreich zu sein.

Harutyuns defektes Motorrad

 3.    Unsere Sohn Harutyun wurde 18 Jahre und hat für Pkw und Motorrad den Führerschein gemacht. 
        Kurz danach hat er durch einen Bekannten für 500 DM ein gebrauchtes DDR-Motorrad gekauft. 
       
Das Motorrad war defekt, und unser Sohn hat es nicht gemerkt. Er selber versuchte, es  zu
        reparieren aber es war nicht möglich. Eines Tages sagte ein Sportschütze, dass er es reparieren 
        kann. Wir haben das Motorrad mit dem Pferdeanhänger zu ihm in seine Schuppen gebracht. Dieser     
        Sportschütze hat Harutyun versprochen, das Motorrad zu reparieren. Tage und Wochen vergangen, 
        Monate vergingen, aber das Motorrad wurde nicht fertig. Zum Schluss sind wir mit dem 
        Pferdewagen zu ihm gefahren und wollten das Motorrad abholen. Das Motorrad war demontiert  
        und die Teile lagen alle in einer Ecke. Das Motorrad und die herumliegenden Teile haben wir
        gesammelt und alles zu uns nach Hause gebracht.  Das Motorrad war nicht mehr zu reparieren,    
        oder es würde für Harutyun zu teuer werden. Das Motorrad wurde für 50 DM verkauft. Unser Sohn 
 
      und ich waren wieder um eine Erfahrung reicher geworden. Ob diese Person sich für diese Tat 
        geschämt hat?

 Unser erster Möbelkauf

 4. Nachdem wir uns verlobt haben, haben wir uns eine Wohnung gesucht. Die Geschäftsführung der
    Fabrik, wo ich gearbeitet habe, hat uns eine Wohnung auf dem Nordring besorgt. Da das 
    Mehrfamilienhaus einer Möbelfirma gehörte und die Geschäftsführung uns diese empfohlen hatte, 
    sind wir zu der Möbelfirma gegangen und haben uns die Möbel für die Wohnung ausgesucht. Als 
    ich den Preis wissen Wollte, hat der Mitarbeiter der Firma in einigen Katalogen den Preis  
    ausgesucht und uns einen Preis gesagt. Ich bin sehr stutzig geworden, habe „ich überlege“ gesagt   
    und bin nach Hause gegangen. Eine Woche später sind wir beide nochmals zu demselben 
    Möbelhaus gegangen und haben uns dieselben Möbel angeschaut und nach dem Preis gefragt.   
    Diesmal war es ein anderer Verkäufer, der uns bediente. Er schaute in eine Preisliste und sagte einen   
    Preis, der viel niedrige war als der vorherige Preis. Natürlich habe ich ohne zu kaufen das   
    Möbelhaus verlassen. An einem anderen Tag haben wir beide den Besitzer der Möbelfirma in 
    seiner Privat-Wohnung aufgesucht und haben ihm unsere Erlebnisse in seiner Firma mit zwei   
    verschiedenen Preisen erzählt. Er war sprachlos, als er die Geschichte hörte. Einige Tage später rief 
    mich der Geschäftsführer der Firma, wo ich arbeite, an und sagte mir einen niedrigeren Preis für die 
    Möbel, die ich auch gekauft habe. 
    Als ich im Möbelhaus den Kaufvertrag unterschrieb, wurde von dem Sohn des Besitzers diese 
    Möbelfirma das Geld für die Möbel in bar und bevor die Möbel angeliefert waren verlangt, und das     
    hat er auch von mir bekommen. Ich war damals drei Jahre in Deutschland und man hat mich wegen 
    meiner Unkenntnisse ausgenutzt.

            Unser erster Fahrräderkauf

  5. Ich war mit meiner jetzigen Ehefrau verlobt, beide waren wir in derselben Firma beschäftigt. Die 
    Firma war ziemlich weit außerhalb, und wir gingen jeden Tag zu Fuß. Ich wollte für uns beide   
    Fahrräder kaufen, aber wir     hatten nicht so viel Geld. Trotzdem sind wir beide zu dem 
    Fahrradgeschäft auf der Herrenstraße gegangen. Der Besitzer des Geschäfts kümmerte sich um uns. 
    Wir haben ein Damen- und ein Herrenrad ausgesucht. Ich habe natürlich angefangen zu handeln. 
    Der Besitzer war zuerst erstaunt, hat aber mitgemacht. Nach einigem Hin und Her haben wir uns auf 
    einen Preis geeinigt. Nachdem wir uns geeinigt hatten, sagte ich dem Besitzer, dass wir kein Geld 
    haben, die Räder bar zu bezahlen, er möchte uns eine Ratenzahlung mit monatlichen Raten 
    einräumen. Als der Besitzer mich erstaunt anschaute, ging meine Verlobte verschämt an eine andere 
    Ecke im Geschäft. Kurz danach fing der Besitzer an, laut zu lachen und bot uns an Platz zu nehmen. 
    Er ging zu einem Schrank und holte eine Flasche Schnaps und drei Gläser. „Darauf müssen wir 
    einen trinken“ sagte er und schenkte uns mehrere Male einen Schnaps ein. Er wurde mit uns so 
    vertraulich, dass er vor Freude nur am Lachen war. Er sagte mehrere Male „so etwas habe ich noch 
    nicht erlebt“. Wir haben die Fahrräder mitgenommen und das Geschäft verlassen. Danach, als ich 
    jeden Monat, um die Raten zu zahlen, zu ihm ging, wurde ich fröhlich empfangen und mit einem 
    Glas Schnaps begrüßt.

                                                Mein erster Voigtländer Fotoapparat bei Pötter

 6. Ich war gerade ein Jahr in Oelde, und weil ich gerne fotografiere, wollte ich einen Fotoapparat
    kaufen. Ich ging zum Fotogeschäft Pötter auf der Ruggestraße. Herr Pötter zeigte mir mehrere 
    Fotoapparate und empfahl mir, den Voigtländer zu nehmen. Ich hatte aber kein Geld, die Summe 
    bar zu zahlen. Er kannte mich wie alle Oelder Bewohner.  Anscheinend war ich für ihn eine 
    vertrauliche Person, und ich bekam den Fotoapparat in Ratenzahlung, in monatlichen Raten zu 25 
    DM. Damit habe ich in Oelde  meinen ersten Kauf eines Fotoapparats in Ratenzahlung erledigt. Ich 
    habe mich in Oelde niemals als Ausländer gefühlt, bis ich auf der Schubertstraße gebaut habe. Dort 
    haben mich einige Nachbarn als Ausländer betrachtet und mich entsprechend behandelt. 

                                                      Besichtigung eines Klosters in Peru

 7. Als wir, Helga und ich, im Jahre 2002 eine Südamerika-Reise machten, haben wir zwei 
    nebeneinander liegende Klöster aus alten Zeiten besichtigt. Zwischen diesen Gebäuden war ein 50 m breiter Garten. In
    einem Gebäude wohnten die Mönche und in dem anderen die Nonnen. Es wurde zwischen diesen zwei Klöstern ein 
    Tunnel gebaut, damit sich die Bewohner der beiden Häuser heimlich besuchen konnten. In diesem Tunnel befand sich 
    eine tiefe Grube, abgedeckt mit einem Eisengitter, der Weg führte über dieses Eisengitter. Wir konnten durch das Gitter 
    sehen, was in der Grube lag. Tausende Kinderschädel und -Knochen. Uns wurde erklärt, dass die Mönche  durch den 
    Tunnel die Nonnen besuchten und hieraus entstanden dann die Kinder. Die geborenen Kinder wurden getötet und die 
    Skelette in der Grube gesammelt. Das war ein trauriger Anblick.

                                          
Griechische Gastarbeiter bei der Firma Cordes in Lette

8. Die ersten Griechischen Gastarbeiter (damals wurden sie  Gastarbeiter genannt) in den Oelder Firmen wurden 1960 von der Waschmaschinen Firma Cordes in Lette geholt. Es waren acht Griechen,  die in Oelde über der Gaststätte Linnemann auf der Lindenstraße wohnten.  Ich war damals  bei der Ventilatoren Fabrik Oelde beschäftigt,  und es war bekannt, dass ich Armenisch, Türkisch und Griechisch spreche. Ich glaube, dass der Besitzer der Firma Cordes auch an der Ventilatoren Fabrik beteiligt war. In der Woche, in der die Griechen bei der Cordes mit der Arbeit begannen,  wurde ich dringend zum Marien-Hospital Oelde geholt. Ein Grieche von der Firma Cordes war dort eingeliefert worden. Nach einer Explosion in der Firma wurde der Grieche am Kopf  schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der Chirurg Dr. Brameyer  sagte mir, dass der Grieche am Kopf sehr schwer verletzt ist, ein Stück Metall sitzt im Schädel, und er muss sofort operiert werden. Ein Chirurg aus Düsseldorf kam nach Oelde und hat die Operation durchgeführt. Der Grieche konnte nicht gerettet werden. Der damalige Geschäftsführer der Firma Cordes, Herr Groß oder ähnlich, hat mich zu sich nach Lette geholt, und haben wir zusammen die Formalitäten für die Überführung  des Toten nach Griechenland bearbeitet. Wir beide sind nach Bielefeld zum griechischen Konsulat gefahren. Eine Bestattungs-Firma wurde beauftragt, den Sarg per Flugzeug nach Griechenland zu bringen. Der Sarg wurde nach Griechenland überführt. Nach diesem Ereignis war ich in Oelde im Krankenhaus, bei den Behörden und Firmen sehr bekannt.


                                       Die Griechen bei der Firma Osthues und Bahlmann


9.   Die Firma Osthues und Bahlmann hat Gastarbeiter aus Griechenland geholt. Ein Fertighaus aus Holland neben dem Firmengebäude wurde aufgestellt. Die etwa zehn Griechen,  die bei der Firma beschäftigt waren, wohnten  dort. Ich wurde alsDolmetscher öfter geholt. Da sie neben der Firma wohnten, haben sie es sehr leicht gehabt, zur Arbeitsstelle zu gehen. Während der Pause sind sie in die  Wohnung gegangen und haben ihr Mittagsessen verspeist. Die Mittagspause war
für das Kochen zu kurz, sie wurden nicht fertig. Sie kamen nach der Mittagspause verspätet zu Arbeit. Deshalb wurde ich öfter zur Firma geholt, um ihnen zu sagen, pünktlich zu erscheinen. Eines Abends,  als ich bei den Griechen war, um ihre Privat- Sachen zu erledigen, haben sie mir einen Vorschlag gemacht, unter sich einen Koch zu bestimmen, und ihn jeden Mittag um 11 Uhr in die Wohnung zu schicken, um für die Mitarbeiter zu kochen. Damit brauchten sie nicht jeder für sich kochen. Da ich diese Idee gut fand, habe ich am nächsten Tag Herrn Osthues dieses persönlich vorgeschlagen. Der junge Chef der Firma, der sehr verständnisvoll war, hat diesen Vorschlag akzeptiert. Am Abend sind wir in der Wohnung zusammengekommen und haben unter den Griechen einen Koch gesucht. Es war alles schon vorbereitet. Ein Grieche (der Name nach so vielen Jahren ist mir entfallen) der gut kochen kann, hat sich bereiterklärt, diese Arbeiten durchzuführen. Der Koch durfte jeden Tag um 11 Uhr in die Wohnung gehen und für die Griechen das Mittagsessen kochen. Diese Zeiten wurden ihm auch als Arbeitszeit von der Firma bezahlt. Damit war das Problem mit der Verspätung nach der Mittagspause, erledigt. Der Grieche konnte sehr gut kochen, sie aßen sehr gerne Kaninchen. An manchen Abenden, wenn ich sie besuchte, waren sie am Essen, und auf dem Tisch stand ein gebratenes Kaninchen. Ich habe des Öfteren dort zusammen mit den Griechen Kaninchen gegessen. Ich habe diese Griechen Kaninchen-Esser genannt. Nach kurzer Zeit hat der Koch der Griechen, eine auf dem Patt hinter der Firma Westfalia Separator wohnende Frau kennengelernt, und sie waren schon bald liiert. Da diese Frau ziemlich korpulent war, haben die Griechen zu ihr „ARKUDA“ gesagt. (in Deutsch Bär).
Ich muss hier erwähnen, dass der junge Chef der Firma, Herr Osthues, ein sehr verständnisvoller und ein sehr guter Mensch war. Auch der Buchhalter im Lohnbüro, Herr Kleinhaus,  hat für die Griechischen Gastarbeiter viel Verständnis gezeigt, hier auch ein Lob für ihn.


                                           Die Griechischen Gastarbeiter bei der Firma Hammelmann


10.       Die Firma Hammelmann hat auch einige Griechen aus Griechenland als Gastarbeiter geholt. Sie wohnten in Hammelmanns Firmengebäude. Herr Hammelmann war, wie die anderen Firmen in Oelde die auch Griechen beschäftigten, sehr zufrieden. Ich war auch für die Firma Hammelmann als Dolmetscher tätig.  Eines Tages rief mich Herr Hammelmann zu einem Gespräch zu sich. Da er mit den Griechen sehr zufrieden war, wollte er eine Griechin aus Griechenland als Haushaltshilfe holen. Ein Griechischer Gastarbeiter, der bei der Firma beschäftigt war, war bereit, eine bekannte Griechin zu vermitteln. Durch meine Sprachvermittlung wurde eine junge Frau aus Griechenland geholt.  Die junge Frau wurde ins Haus geholt, ihr ein Zimmer zur Verfügung gestellt und ihr die Aufgaben erklärt,  die sie erledigen muss. Nach einigen Monaten wurde festgestellt, dass diese Frau  als Haushaltshilfe nicht geeignet war. Es war ein Versuch.  Danach wurde ein Türke, der in Oelde bei einer Baufirma beschäftigt war, als Baggerfahrer  in der Firma eingestellt. Eines Tages, als der Baggerfahrer mit den Bodenarbeiten beschäftigt war, rutschte der Bagger und kippte um. Der Baggerfahrer  geriet unter den Bagger. Ein Bein musste amputiert werden. Der ganz östlich aus der Region am Schwarzen Meer stammende Baggerfahrer wurde arbeitsunfähig Rentner.  Ich habe ihn Jahre lang betreut. Er litt uner Schmerzen am  Oberschenkel, bis er starb.
                                        

                                           Die Griechischen Gastarbeiter bei der Emaille Firma Krone


11. Das an der Wallstraße ansässige Emaille Werk Krone hat auch schnell reagiert und holte einige Griechen als Gastarbeiter in die Firma. An der Ecke Grüner Weg und Wallstraße befand sich ein Gebäude, in dem sich früher eine Gastwirtschaft befand. Die Gastarbeiter wurden hier in diesem Haus untergebracht.  Sie wohnten, wie bei den anderen Firmen, in der Nähe der Arbeitsstelle. Ich wurde sehr oft zum Dolmetschen geholt. Da die Firma zweischichtig arbeitete, ging ich nach meiner Beschäftigung bei der Ventilatoren Fabrik Oelde zur Firma Krone und hier dolmetschte ich am Abend. In der Firma arbeiteten Frauen und Männer. Nach einigen Monaten musste ich sogar den Griechen und auch einigen deutschen Frauen, die dort arbeiten,  sprachlich helfen. Die Frauen haben sich privat mit den griechischen Männern angefreundet und einige haben miteinander ein Verhältnis gehabt. Einige Frauen waren schon in Oelde verheiratet. Ich wurde gebeten, wie die Rechtsanwälte, zu schweigen und nicht weitererzählen. Da ich schon bei der Polizei als Dolmetscher tätig war, wusste ich, was Schweigepflicht bedeutet. Ich habe jeden Tag etwas Neues erfahren, aber ich musste schweigen. Da ich geschwiegen und keine Geheimnisse, die mir anvertraut wurden, missbraucht habe, haben mir alle Ausländer vertraut, und ich wurde in allen privaten Fällen informiert.  Ich habe versucht,  diesen Ausländern zu helfen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Sogar in familiären Angelegenheiten habe ich als Mittelsmann geholfen. Da ich über sehr viele private Angelegenheiten der Ausländer in Oelde Bescheid wusste, habe ich sie Familienretter genannt. Ein türkischer Gastarbeiter erzählte mir, dass, während er mit der Frau eines Mannes im Schlafzimmer lag, der Ehemann mit dem Kasten Bier, den er mitgebracht hatte, im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß.


                                      Die Griechischen Gastarbeiter bei der Emaille Firma Frieling


12.  Die Emaille Fabrik Frieling war damals auf der Hohen Straße auf dem jetzigen Platz OBI. Einige Griechen, die dort arbeiteten, wohnten in privaten Häusern. Sie blieben nicht länger als ein Jahr in der Firma und wechselten oft ihre Arbeitsstelle. Die Griechen, die ich dort betreut habe, waren mit der Arbeit sehr zufrieden und blieben bis zum Schluss in der Firma.


                                           Die Griechischen Gastarbeiter bei der Firma Haver und Boecker


13.  Die Griechischen Gastarbeiter, die bei der Firma Haver und Boecker gearbeitet haben, wohnten direkt über der Firma und waren darüber auch sehr glücklich. Weder die Meister noch die Geschäftsleitung haben  ein Problem mit den Griechen gehabt. Die Geschäftsleitung und die Griechen haben immer friedlich die Probleme gelöst. Den Griechen, die ihre Frauen und Kinder aus Griechenland nach Oelde holen wollten, wurden geholfen, und die Familien wurden zusammengeführt. Die Ehefrauen und auch die erwachsenen Kinder wurden in der Firma beschäftigt. Alle Wünsche,  die von den Griechen durch meine Dolmetscher-Tätigkeiten der Geschäftsleitung vorgetragen wurden, wurden von der Geschäftsleitung überprüft und machbare Wünsche wurden  ohne Probleme erledigt. Nach einigen Jahren haben die Griechen, die mit der Familie in der Wohnung der Firma wohnten, sich private Wohnungen gesucht und sind umgezogen. Später haben sich einige eigene Wohnungen gekauft. Die erwachsenen Kinder wurden auch in der Firma beschäftigt. Manche Eltern haben ihre Kinder studieren lassen. Ich bin damals zu Herrn Woestpeter, Betriebsleiter der Firma, gerufen worden und habe in seinem Zimmer gedolmetscht. Ich kann mich sehr gut erinnern, dass eines Tag,  als ich bei Herrn Woestpeter in seinem Zimmer saß und über die Arbeit sprach, kam ein deutscher Mitarbeiter wütend aus dem Betrieb in das Zimmer und schimpfte beim Betriebsleiter über seinen Stundenlohn. Er wollte einige zehn Pfennige mehr Stundenlohn haben und sprach überwiegend Plattdeutsch mit Herrn Woestpeter. Herr Woestpeter blieb ruhig und wartete,  bis der Mitarbeiter sich ein bisschen beruhigt hat. Danach nannte er den Mitarbeiter beim Vornamen und bot ihm eine Zigarre an. Die Zigarre wurde angezündet, ein paar Mal daran gezogen und man konnte sehen, dass er zufrieden war. Danach hat der Betriebsleiter mit ihm einige Worte in Plattdeutsch gesprochen, und wie ich die Mimik des Mitarbeiters verstanden habe, war er auch mit der Situation des Arbeitsmarktes einverstanden. Er stand auf und sagte „ist doch wahr“ und ging, ohne einen Pfennig mehr Stundenlohn zu bekommen, aus dem Zimmer. So ein Mensch war Herr Woestpeter, er konnte mit den Menschen sehr gut umgehen. Ich habe währen der Jahre,  in dem ich bei ihm gedolmetscht habe, vieles über das Leben gelernt.

 

 

 

 

 



 

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