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Offener Brief an den Bundespräsidenten Joachim Gauck

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OFFENER BRIEF

An den Bundespräsidenten Joachim Gauck

Bundespräsidialamt

Schloss Bellevue
Spreeweg 1
10557 Berlin


Sehr geehrter Herr Präsident,

wir gratulieren Ihnen von Herzen zu Ihrer Wahl. Wir wünschen dem neuen Bundespräsidenten eine glückliche und erfolgreiche Amtszeit.

Ihr großes Thema, Freiheit und Verantwortung, bewegt auch uns seit vielen Jahrzehnten. Wir setzen uns  mit allen uns zur Verfügung stehenden  Mitteln dafür ein, das Geschenk der Freiheit mit Inhalt zu füllen und unsere historischen Erfahrungen einzubringen in das gesellschaftliche Miteinander in unserem neuen Heimatland Deutschland. Aber wir stoßen an Grenzen, immer wieder, und immer wieder schmerzhaft.

Natürlich blicken wir auch über die Grenzen hinaus in die Herkunftsländer unserer Landsleute. Voller Sorge beobachten wir etwa die permanenten Verfolgung von Christen in der Türkei und die unablässige Bedrohung der noch nicht anerkannten christlichen Republik Arzakh/Berg-Karabakh durch das diktatorisch regierte Aserbeidschan:

Deutschland schweigt.

Sie, sehr geehrter Herr Gauck, haben in den letzten Jahren segensreich für die Stiftung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewirkt. Gegen das Vergessen kämpfen auch wir, manchmal erfolgreich, oft vergeblich. Wir wünschen uns sehr, dass Sie Ihr Ohr und Ihr Herz öffnen für unser Anliegen, die armenischen Opfer des türkischen Völkermords von 1915 vor dem Vergessen zu wahren und die Überlebenden und ihre Nachfahren zu schützen vor dem großen Schweigen. Und vor dem Vertuschen. Und vor der Leugnung. Vor dem Vergessen bewahren müssen wir auch die Opfer der aserbeidschanischen Pogrome gegen Armenier in Baku, Sumgait und Maragha vor über 20 Jahren. Wir können die Zukunft nur gewinnen, wenn es eine wirkliche, eine auf Respekt und Anerkennung begründete Versöhnung mit der Geschichte gibt.

Sie werden wirken durch das Wort. Wir wünschen Ihnen sehr, dass Ihr Wort wirkt, dass Sie Verkrustungen aufbrechen, dass Sie Nachdenklichkeit herstellen können. Das würde dann tatsächlich einen fruchtbaren Boden für unsere zukünftige Arbeit schaffen.

Mit freundlichem Gruß

Azat Ordukhanyan

Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland

Frankfurt am Main

19. 03. 2012

www.zentralrat.org


 

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